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ZfS, Jg. 4, Heft 4 (1975)

Über strukturelle Implikationen

Hans Lenk

Zusammenfassung: Wenn theoretische Begriffe auch aus streng präzisierten und axiomatisch dargestellten Theorien eliminiert werden können, so kann die Soziologie in praxi doch nicht auf die Verwendung theoretischer Begriffe verzichten. Theoretische Begriffe haben einen strukturellen Gehalt, d.h. ihre Bedeutung wird zum Teil durch die logisch-strukturellen Beziehungen bestimmt, in denen sie innerhalb der Theorie in allgemeinen Aussagen auftreten. Folgerungen aus Aussagenmengen mit solchen rein strukturellen Beziehungen, strukturelle Implikationen, werden an einen soziometrischen und einem organisationssoziologischen Beispiel der Turniertheorie illustriert. Aussagen, die anscheinend empirischen Gehalt haben, ergeben sich als strukturelle Implikationen der Versuchsanordnung, des Beschreibungsmodells oder der gültigen institutionellen Strukturregeln und sind daher entweder analytische Implikate des Versuchs- oder Beschreibungsmodells oder des Strukturgehalts der Theorie. Der Soziologe muß solche strukturellen Implikationen kennen und erkenne, um nicht fälschlich analystische Folgerungen aus dem Modell für empirisch gehaltvolle Sätze zu halten. Für solche methodologischen Erkenntisse ist eine wissenschaftstheoretische Schulung der Soziologen unabdingbar. 

Schlagworte: Wissenschaftstheorie; Methodologie; Aussagensystem; Theorie; Theoretischer Begriff; Struktur; Strukturregel