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ZfS, Jg. 4, Heft 4 (1975)

Differenzierung und Integration sozialer Systeme als Voraussetzungen der Umfrageforschung

Hartmut Esser

Zusammenfassung: Die Methodik der sozialwissenschaftlichen Befragung beruht auf einer Reihe - meist implizit gelassener - sozialer Voraussetzungen. Aus der Benennung der methodischen Anforderungen an Verhalten und Fähigkeiten der Interaktionspartner beim Interview ergibt sich, daß diese sozialen Bedingungen der Befragung genau die strukturellen Elemente funktional differenzierter, aber gleichzeitig integrierter Sozialsysteme voraussetzen: strukturelle Differenzierung, einen allgemeinen Werterahmen, generalisierte Kommunikationsmedien und empathische Individualität (auf der Ebene des Persönlichkeitssystems). Da in solchen Sozialsystemen andererseits sowohl die institutionellen Voraussetzungen für Umfrageforschung (Bürokratisierung, Professionalisierung, (Sozial-) Wissenschaft) entwickelt sind, und zweitens auch administrativer Bedarf nach soziographischen Daten besteht, kann Umfrageforschung als genuines funktionales Element komplex-integrierter, 'modernisierter' Sozialsysteme gesehen werden. Ein kurzer historischer Abriß zur Entwicklung der Umfrageforschung, vor allem in ihrer Parallelität zur Entwicklung des Wahlrechtes, belegt das Ergebnis der Analyse. 

Schlagworte: Umfrageforschung; Meinungsforschung; Befragung; Interview; Interaktion; Soziale Systeme; Strukturelle Differenzierung