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ZfS, Jg. 4, Heft 3 (1975)

Repetitorbesuch als Strategie sozialer Anpassung

Klaus Henning Hansen, Mario Nitsche, Manfred Walther

Zusammenfassung: Eine große Zahl Hamburger Jurastudenten bewerten das universitäre Lehrangebot um so negativer und entschließen sich um so mehr zum Besuch des Repetitors, je näher sie an ihr Studienende gelangen. Die Autoren fragen nach der Ursache dieser Entwicklung, da dieses zur Universität konkurrierende Lehrsystem kaum mehr als Fakten vermittelt. Die Diskrepanz zwischen den in der Prüfungsordnung definierten Leistungserwartungen und dem didaktischen Angebot des formellen Lehrsystems wird als anomische Spannung interpretiert, aus der unterschiedliche Studienstrategien der Studenten folgen. Der Repetitorbesuch als eine häufig gewählte Strategie erlaubt es, das Leistungsziel beizuhalten, ohne sich ausschließlich auf die offiziell angebotenen Mittel zu stützen. Die Prüfungsangst stellt dabei das Motiv für die Verlagerung der Lernaktivitäten auf das zweite Lehrsystem dar. Sie wird unter dem Aspekt schichtenspezifischer Leistungserwartungen und spezifischer Merkmale juristischer Lehrmethoden diskutiert. Zur Vorhersage des Repetitorbesuches ziehen die Verfasser das ATKINSONsche Modell zur Erklärung von Leistungsmotivation heran. Durch Korrespondenzhypothesen begründen sie den Zusammenhang zwischen dem allgemeinen sozialpsychologischen Konzept und ihrem speziellen Anwendungsbeispiel. Zuletzt werden einige empirische Ergebnisse dargestellt, die Aufschlüsse über studentische Motivstrukturen liefern und die zur weiteren Forschung mit interaktiven Hypothesen ermutigen. 

Schlagworte: Studium; Studierende; Rechtswissenschaft; Leistungsmotivation; Lehre; Lehrmethode; Repetitor; Soziale Anpassung; Sozialpsychologie