Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 4, Heft 2 (1975)

Die kulturelle Übertragungstheorie als Erklärungsmodell der Insassensubkultur im Straf­vollzug

Harald Klingemann

Zusammenfassung: In der neueren Diskussion um die Entstehungsgründe für Insassensubkulturen ist der herkömmliche, strukturell-funktionale Ansatz, der durch das Deprivationsmodell weitgehend charakterisiert werden kann, zunehmend kritisiert worden. Die kulturelle Übertragungstheorie erhebt den Anspruch, eine kritische Erweiterung dieses theoretischen Ausgangspunktes der Gefängnissoziologie leisten zu können. Basierend auf dem Konzept der latenten sozialen Rolle von GOULDNER wird die These untersucht, inwieweit soziale Hintergrundfaktoren der Insassen im Vergleich zu institutionellen situationalen Faktoren einen entscheidenden Einfluß bei der Entstehung und bezüglich der besonderen Struktur von Insassensubkulturen haben. Dieser Literaturbericht stellt in kritischer Ergänzung zur Übersicht von HARBORDT zur Gefängnissoziologie die Entwicklung und empirische Prüfung dieser im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannten Kontroverse dar und weist auf ihre praktische Bedeutung hin.

Schlagworte: Kriminalsoziologie; Gefängnissoziologie; Strafvollzug; Strafgefangener; Insassensubkultur; Subkultur; Deprivationsmodell; Strukturfunktionalismus; Kulturelle Übertragungstheorie; Rolle; Literaturbericht