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ZfS, Jg. 4, Heft 1 (1975)

Die soziale "Religion" Saint-Simons

Karl Brose

Zusammenfassung: In den gegenwärtigen Sozialwissenschaften ist es ein ungeklärtes Problem, ob das gesellschaftstheoretisch wichtige Zentrum des SAINT-SIMONismus im Industriesystem oder in der 'religiösen' Gesellschaftstheorie liegt. MARX bezeichnet SAINT-SIMON erst in dessen religiöser Spätphase als direkten 'Wortführer der arbeitenden Klasse'. Diese These ist in der vorliegenden Studie zu untersuchen. Methodisch gehen wir dabei nach einem wissenssoziologischen Aspekt vor: wie sich das System der sozialen Ideen SAINT-SIMONS auf einem veränderten historisch-sozialen Hintergrund relativiert, wie er von den SAINT-SIMONisten repräsentiert wird. Auf diesem methodischen Weg soll die soziologische Genese des Problems von Sozialität und Religiosität, Glauben und Pragmatismus in der Bewegung des SAINT-SIMONismus geklärt werden. Die Studie kommt mit einer These von MARX zu dem Schluß, daß sich soziologische Systeme solange in der Sphäre wissenschaftlicher Abstraktion, spekulativer Religiosität und sozialen Utopismus bewegen, wie die arbeitende Klasse noch nicht zur Bildung einer neuen Gesellschaft entwickelt und frei ist. 

Schlagworte: Gesellschaftstheorie; Saint-Simon; Marx; Frühsozialismus; Industriegesellschaft; Sozialer Wandel; Arbeiterklasse; Religion; Religiosität; Glaube