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ZfS, Jg. 3, Heft 4 (1974)

Ist die Kernfamilie universal?

Rolf Eickelpasch

Zusammenfassung: Die seit MURDOCK in der Familiensoziologie verbreitete These von der Universalität der Kernfamilie hält einer vergleichenden Strukturanalyse familialer Systeme in fremden Gesellschaften nicht stand. Im interkulturellen Vergleich - vorgenommen anhand ausgewählter ethnographischer Beispiele - erweist sich die Kernfamilie nicht als urwüchsiges und universales Grundmuster, sondern als eine unter einer Vielzahl möglicher Kombinationen elementarer Beziehungsdyaden mit der Mutter-Kind-Einheit als Kern. Das Muster, nach dem sich diese Nuklear-Einheit mit der Gatten-Dyade, der Vater-Kind-Dyade und der Geschwister-Dyade zu komplexeren Strukturen verbindet, variiert von Gesellschaft zu Gesellschaft und unterliegt historischen und sozioökonomischen Abhängigkeiten. Der als 'Gruppe von Mann und Frau mit ihren unverheirateten und unmündigen Kindern' bestimmte, rein formale Begriff der Familie enthält jedoch weder Aussagen über den konkreten sozio-kulturellen Zusammenhang, innerhalb dessen die Familie existiert, noch eine inhaltliche Bestimmung der durch diesen Zusammenhang determinierten Beziehungen zwischen den zugehörigen Personen.

Schlagworte: Familiensoziologie; Familie; Kernfamilie; Mutter-Kind-Einheit; Dyade; Sozialstruktur; Strukturanalyse; Ethnozentrismus; Interkultureller Vergleich