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ZfS, Jg. 3, Heft 2 (1974)

Die statistische Natur der Grundgesetze der Gesellschaft

Wladyslaw Krajewski

Zusammenfassung: Es gibt zwei Arten statistischer Gesetze: 1) statistische Gesetze im engeren Sinne, die direkt Wahrscheinlichkeiten bestimmen (z.B. statistische Verteilungen), 2) statistische Gesetze im weiteren Sinne, die die Gestalt der eindeutigen Gesetze haben, aber nicht sichere, sondern wahrscheinliche Vorgänge beschreiben; sie werden nicht in jedem einzelnen Fall, sondern nur in einer großen Menge der Ereignisse (mit hoher Wahrscheinlichkeit) erfüllt. Das DARWINsche Gesetz der natürlichen Auslese lautet, daß jene Individuen im Kampf ums Dasein überleben, welche günstige Eigenschaften haben. Das ist aber nicht sicher, sondern wahrscheinlich; desto wahrscheinlicher, je größer der Vorteil ist. Das DARWINsche Gesetz ist ein statistisches Gesetz im weitern Sinne. Analogerweise interpretieren wir das MARXsche Gesetz: das gesellschaftliche Sein bestimmt das gesellschaftliche Bewußtsein. Die Intellektuellen schaffen veschiedene soziale und philosophische Ideen, ethische Systeme, politische Programme. Aktuell sind diejenigen unter ihnen, die den Interessen irgendeiner Klasse oder Gruppe entsprechen. Ihr Erfolg ist wahrscheinlich; umso wahrscheinlicher, je besser sie den Klasseninteressen entsprechen. Die anderen Ideen sterben meistens aus.

Schlagworte: Gesellschaftstheorie; Statistik; Gesetzmäßigkeit; Wahrscheinlichkeit; Darwinismus; Evolutionstheorie; Historischer Materialismus; Marxismus