Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 3, Heft 2 (1974)

Wer hat Zugang zur indischen Universität?

Prodosh Aich

Zusammenfassung: Es ist die allgemeine Überzeugung der an den indischen Bildungsinstitutionen verantwortlich Beteiligten und der indischen Bildungspolitiker, daß sich nach der Erlangung der Unabhängigkeit die Bildungsinstitutionen für die tradiert unterprivilegierten Gruppen geöffnet haben. Diese Überzeugung wird durch in- und ausländische Gelehrte in Veröffentlichungen mit wissenschaftlichem Anspruch bestätigt. Es besteht auch Übereinstimmung darüber, daß das Bildungsniveau an den Universitäten ständig sinkt. Als Ursache für diesen Prozeß wird die fehlende Lerntradition der 'neuen Studenten' genannt. In der vorliegenden Arbeit wird durch an vier indischen Universitäten erhobene Daten detailliert belegt, daß auch 20 Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit in Indien die kolonialen Privilegien, was den Zugang zur Universität angeht, voll erhalten geblieben sind. Der privilegierte soziale Hintergrund hat keinen Einfluß auf das Leistungsniveau im akademischen Bereich. Die These, daß die 'neuen Studenten' für das sinkende Niveau verantwortlich sind, kann nicht bestätigt werden. In einer kritischen Analyse stellt sich heraus, daß die übereinstimmende Überzeugung eine Ideologie der gegenwärtigen privilegierten Klasse Indiens ist.

Schlagworte: Bildungssoziologie; Bildung; Bildungspolitik; Bildungsniveau; Hochschule; Hochschulzugang; Soziale Ungleichheit; Postkolonialismus; Indien