Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 2, Heft 3 (1973)

Mathematische Methoden zur Sicherung der Vertraulichkeit und Anonymität von Forschungsdaten

Robert F. Boruch, Günter Endruweit

Zusammenfassung: Wegen zweier miteinander zusammenhängender Probleme erscheint es notwendig, Methoden zur Sicherung der Vertraulichkeit von Daten in der Sozialforschung zu entwickeln. Zum ersten könnten Befragte, die Untersuchungen in ihrer Intimsphäre unangenehm oder gefährlich finden, die Antwort verweigern oder falsch geben und so für sich die Vertraulichkeit einzelner Informationen gewährleisten; dadurch können Richtigkeit und Genauigkeit der Parameterschätzung in der Sozialforschung wesentlich beeinträchtigt werden. Zum anderen hat der Sozialforscher in Deutschland wie in den USA keinen rechtlichen Schutz gegen staatliche Maßnahmen zur Beschlagnahme der Daten für Zwecke außerhalb der Forschung; wenn die Angaben des Befragten auf diese Weise vom Forscher preisgegeben werden müssen, können sie zu rechtlichen oder gesellschaftlichen Sanktionen gegen den Befragten führen. Die in diesem Beitrag beschriebenen mathematischen Methoden wurden entwickelt, um diese Probleme zu mildern oder, genauer gesagt, um der Versicherung des Forschers, daß 'Vertraulichkeit' garantiert werde, mehr Überzeugungskraft zu verleihen. Die Zufallsantwort-Methode, die Methode der nicht zusammenhängenden Fragen sowie die neuentwickelte Infektionsmethode ermöglichen die Erhebung von Daten, ohne dabei den Befragten unnötig zu gefährden oder in Verlegenheit zu bringen. Diese Methoden, die auf einfachen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung beruhen, werden überblicksweise dargestellt und anschließend verglichen. 

Schlagworte: Empirische Sozialforschung; Methode; Daten; Datenschutz; Forschungsethik Erhebungstechnik; Befragung; Interview; Antwortverhalten; Anonymität; Validität