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ZfS, Jg. 2, Heft 2 (1973)

Die Finalisierung der Wissenschaft

Gernot Böhme, Wolfgang van den Daele, Wolfgang Krohn

Zusammenfassung: Die Wissenschaft der Gegenwart ist durch einen spezifischen Alternativspielraum der Entwicklung gekennzeichnet: Sie ist offen dafür, daß externe (ökonomische, soziale, politische) Zwecke zum Entwicklungsleitfaden der Theorie werden. Der Übergang zu einer solchen Struktur wird als 'Finalisierung der Wissenschaft' definiert. Sie ist abzusetzen von traditionellen Formen der 'Anwendung' theoretischer Ergebnisse. Zu ihrer Erklärung werden Annahmen über Struktur und Reichweite der in der gegenwärtigen Wissenschaft geltenden Eigenregulative entwickelt. Drei Gründe werden für die Abnahme interner Determinierung der Wissenschaftsentwicklung gesehen: Das Erreichen eines Zustands 'theoretischer Reife' in grundlegenden Disziplinen (z.B. Physik und Chemie); der partielle Verzicht auf die Forderung kausaler Erklärung und der Übergang zu funktionalistischen Wissenschaften (z.B. Psychologie); die Notwendigkeit, ökologische Betrachtungsweisen mit den traditionellen Analyseansätzen der wissenschaftlichen Disziplinen zu verbinden. In der Perspektive der Finalisierung der Wissenschaft liegt eine zunehmende Koinzidenz von theoretischen Zwecken und sozialen Normen.

Schlagworte: Wissenschaftssoziologie; Wissenschaft; Wissenschaftspolitik; Theoriebildung; Entwicklung; Zweck; Soziale Normen