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ZfS, Jg. 2, Heft 1 (1973)

Der Hochleistungssport - Ein Phänomen des Showbusiness

Heinz Meyer

Zusammenfassung: Anhand verschiedener Aspekte und Verläufe der Olympischen Spiele in München wird auf das ideologische Selbstbild des Sports als eines einerseits exterritorialen und andererseits doch pazifizierenden Geschehens innerhalb gleichbestimmter Gemeinschaften hingewiesen. Eine von totaler Leistungsausrichtung diktierte Eigenlogik des Hochleistungssports wird diesem Image kontrastiert. Die Eigenlogik läßt sich verfolgen an empirischen Gegebenheiten im Bereich der aktiven Sportler, der Zuschauer oder des mit hohen Investitionen organisierten Sportbetriebs. Der Hochleistungssport ist aus der Perspektive von Individuum und Gesellschaft nicht nur zu interpretieren als ein Medium exzeptioneller Selbstverwirklichung, sondern auch zu verstehen als ein Phänomen der Entfremdung, das Momente der Motivation und der psychischen Stimmung nicht als Eigenwert, sondern allein in ihrer leistungsvariierenden Funktion relevant werden läßt. Es scheint zutreffend, den Hochleistungssport vom Breitensport grundsätzlich zu unterscheiden und ihn als ein Phänomen des Showbusiness zu verstehen. Mit dem Verhältnis von wenigen Akteuren zu zahlreichen Zuschauern, mit den hohen materiellen und immateriellen Gratifikationen, mit der Existenz von Prominenz und Starrollen, mit der Riskanz der Karrieren nach einer in der Regel intensiven Einübungs- und Trainingszeit wie auch mit den relativ undifferenzierten geistigen Aktivitäten bei Akteuren und Zuschauern lassen sich Phänomene beschreiben, die anderen Formen des Showbusiness durchaus entsprechen.

Schlagworte: Sportsoziologie; Sport; Leistungssport; Breitensport; Leistungsorientierung; Akteur; Sportler; Publikum; Ideologie; Entfremdung; Medialisierung; Olympische Spiele