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ZfS, Jg. 2, Heft 1 (1973)

Soziologie ohne Soziologen?

Joachim Matthes

Zusammenfassung: Zwar verfügt die Soziologie in Deutschland über eine lange und reiche Tradition, doch ist sie als akademisches Lehrfach mit eigenem Abschluß erst in den fünfziger Jahren voll etabliert worden. Trotz ständig wachsender Studentenzahlen ist jedoch bisher versäumt worden, dem soziologischen Studium einen Praxisbezug zu geben. Dies nachzuholen, wird heute durch die rapide steigende Nachfrage nach soziologischem Lehrangebot seitens nicht-soziologischer Studiengänge ungemein erschwert. Die Lehrkapazität der Soziologie an den Hochschulen in der Bundesrepublik ist bis an die Grenze des Erträglichen belastet, und an dieser Belastung drohen sowohl die innere Reform des Soziologiestudiums als auch die Entwicklung eines angemessenen Lehrangebots für Nicht-Soziologen zu scheitern. In dieser Situation ist baldiges und entschlossenes Handeln vonnöten. Die Forderung, dafür Kompetenzen zu schaffen, wird begleitet von Überlegungen zur inneren Reform des soziologischen Studienganges, der nur als praxisorientierter fortbestehen kann, und zu den Lehrfunktionen der Soziologie im Rahmen anderer Studiengänge. Besonders hervorgehoben werden das Gewicht der derzeit einsetzenden Diffusion sozialwissenschaftlichen Wissens über die Schulen in der Bundesrepublik und die eklatanten Mängel, die sich an diesem Vorgang zeigen.

Schlagworte: Soziologie; Studium; Studiensituation; Lehre; Lehrveranstaltung; Reform; Universität; Praxisbezug; Bundesrepublik Deutschland