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ZfS, Jg. 1, Heft 3 (1972)

Erfahrungsstruktur und Konflikt bei stationären Patienten

Johannes Siegrist

Zusammenfassung: Entgegen der herrschenden Meinung, der Patient im Krankenhaus reagiere regressiv-infantil, versucht der Autor aus wissenssoziologischer Perspektive zu zeigen, daß vielmehr eine Reihe typischer differenzierter Verhaltensweisen besteht, die sichaus der Tatsache der kognitiven Desorganisation des erkrankten Menschen herleiten läßt: erhöhter Verlust von Selbstkontrolle, erhöhte Sensibilität, Bedürfnis nach relevanten Informationen sowie egozentrische Wahrnehmung. Interaktionen mit medizinischem Personal besitzen einen immanenten Konfliktstoff, weil die Vermittlung zwischen dieser modifizierten Erlebnis- und Erfahrensweise und dem Routinebetrieb des Krankenhauses nur schwer möglich ist. Diese Thesen werden anhand systematischer Beobachtungen und Interviews mit Patienten in einem internistischen Krankenhaus illustriert.

Schlagworte: Medizinsoziologie; Wissenssoziologie; Krankenhaus; Patient; Medizinisches Personal; Interaktion; Organisation; Erfahrung; Verhalten; Wahrnehmung; Konflikt