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ZfS, Jg. 1, Heft 3 (1972)

Wertfreiheit und Rechtfertigung von Normen im Positivismusstreit

Eckard König

Zusammenfassung: Die zwischen HABERMAS und ALBERT geführte Auseinandersetzung über die Frage der Wertfreiheit hat bislang zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt, was zunächst einmal die Klärung beider Positionen geraten sein läßt. Dabei zeigt sich, daß die Ursache für die Ergebnislosigkeit des Positivismusstreites darin bestehen dürfte, daß beide Autoren im Grunde aneinander vorbei reden: Während ALBERT den Nachweis zu führen sucht, daß eine wertfreie (d. h. auf objektsprachliche Normen verzichtende) empirische Sozialwissenschaft möglich ist, geht es HABERMAS im Grunde nicht um die Frage der Werturteile, sondern um die Wertbasis. ALBERT setzt die Normen der neuzeitlichen Wissenschaften im großen und ganzen als sinnvoll voraus; HABERMAS fragt nach deren Begründung. Seine These vom technischen Interesse bezieht sich damit nicht (wie ALBERT meint) auf die Frage nach der Anwendbarkeit empirischer Wissenschaften, sondern stellt den Versuch dar, eine Begründung für diese Wissenschaften zu liefern. Seine Kritik daran kann er allerdings nur liefern, indem er als zweites jenes Interesse an herrschaftsfreier Kommunikation voraussetzt, für dessen Begründung HABERMAS mehrere Vorschläge unterbreitet hat, ohne allerdings bislang über Ansätze hinausgelangt zu sein.

Schlagworte: Erkenntnisinteresse; Wissenschaft; Positivismusstreit; Werturteilsstreit; Wertfreiheit; Werturteil; Objektivität; Soziale Normen; Wissenschaftsverständnis; Herrschaftsfreie Kommunikation; Habermas