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ZfS, Jg. 1, Heft 3 (1972)

Überlegungen zur System-Umwelt-Problematik anhand der Analyse des Verhältnisses zwischen Organisation und Publikum

Dieter Grunow, Friedhart Hegner

Zusammenfassung: Die Kritik an der Organisationssoziologie, die in ihren Theoremen häufig die Perspektive der konkreten Organisationen übernimmt, steht im Hintergrund der Argumentation. Diese Arbeit distanziert sich von dieser Einseitigkeit, die im übrigen auch für die wissenschaftliche Behandlung des Publikums gilt, indem sie die Wissenschaftsperspektive bewußt von der Organisations- und von der Publikumsperspektive abhebt. Damit wird ein Zugang zum Problem des Verhältnisses zwischen Organisation und Publikum geschaffen, der eine Formulierung allzu abstrakter Überlegungen (beispielsweise im Zusammenhang mit dem Begriff der Komplexitätsdifferenz) auf einer konkreten Ebene gestattet. Das Verhältnis zwischen Organisation und Publikum wird charakterisiert durch Interdependenzen in vier Dimensionen: der Macht, dem Informationsbestand, der Situationsdefinition und den konkreten Erwartungen der beiden Seiten. Durch diese vier Dimensionen und ihre Ausprägungen wird die Art des Verhältnisses bestimmt: als Kommunikation oder als Interaktion. Im folgenden wird geprüft, inwieweit die vier Dimensionen als erster Operationalisierungsschritt abstrakter Konzepte betrachtet werden können. Sodann werden die Bedingungen formuliert die von der Interaktion zum Interaktionssystem führen: gleiches Sprachniveau der Kontaktpartner, Offenheit für Lernprozesse und Grenzziehung. Schließlich werden Hinweise für die Organisationsanalyse und die Publikumsanalyse abgeleitet, die gleichzeitig Forschunnsfragen für ein empirisches Projekt im Bereich der öffentlichen Verwaltung darstellen.

Schlagworte: Organisationssoziologie; Organisation; System; Umwelt; Komplexität; Publikum; Kommunikation; Interaktion; Kritik; Öffentliche Verwaltung