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ZfS, Jg. 1, Heft 2 (1972)

Sinn, Reflexion und System

Franz Maciejewski

Zusammenfassung: Anhand der LUHMANNschen Evolutionstheorie läßt sich zeigen, daß ein mit dem kategorialen Rahmen der Systemtheorie vereinbarten Sinnbegriff wesentliche Dimesionen der soziokulturellen Entwicklung unberücksichtigt lassen muß. In der Diskussion 'Sinn vs. Leben' erweist sich der Versuch, diese Limitierung durch eine Grenzziehung zwischen Sozialsystem und Organismen zu rechtfertigen, als problematisch. Gleichzeitig wird durch die Verwendung der Kategorie der 'evolutionären Mechanismen' (Variation, Selektion und Stabilisierung) deutlich, daß die Theorie der sozialen Evolution bei LUHMANN letztlich dem Muster der biologischen Evolution nachgebildet ist. In äußerster Konsequenz führt dieses zu der Vorstellung, man könne Gesellschaft in derselben Weise wie Natur unter Kontrolle bringen. Dagegen ließe sich im Anschluß an HEGEL das Einmalige der soziokulturellen Geschichte als gesellschaftliche Dialektik begreifen und unter Anwendung der Kategorie der 'Medien der Vergesellschaftung' (Arbeit, Sprache und Herrschaft) angemessen entfalten. Das setzt einen ungeschmälerten, kommunikationstheoretisch verstandenen Sinnbegriff voraus, der mit der Systemtheorie nicht mehr kompatibel ist: der Universalitätsanspruch der Systemtheorie erweist sich als nicht haltbar.

Schlagworte: Systemtheorie; System; Evolutionstheorie; Soziokulturelle Entwicklung; Sinn; Vergesellschaftung; Dialektik; Hegel; Luhmann