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ZfS, Jg. 1, Heft 2 (1972)

Historische Prozesse sozialer Mobilisierung

Peter Flora

Zusammenfassung: Die Prozesse sozialer Mobilisierung, in denen partikularistische-parochiale Rollen und Konflikte aufgebrochen werden, sind von zentraler Bedeutung für die Modernisierungen von Gesamtgesellschaften. In diesem Aufsatz werden zwei elementare und langfristige Prozesse sozialer Mobilisierung, die Urbanisierung und Alphabethisierung, in 94 Ländern im Zeitraum von 1850 bis 1965 mit Hilfe quantitativer Aggregatdaten analysiert. Es zeigt sich, daß das Verhältnis der beiden Mobilisierungsprozesse sich imLaufe der historischen Entwicklung radikal verändert hat: während die alten Nationen durch die schrittweise Alphabetisierung einer dominant ländlichen Bevölkerung gekennzeichnet waren, ist das Merkmal der neuen Nationen die sprunghafte Urbanisierung einerüberwiegend analphabetischen Bevölkerung. Diese Entwicklung setzt die politischen Systeme der neuen Nationen größeren Belastungen aus, ohne ihre Kapazitäten in gleichem Maße zu vergrößern. Die Folge ist eine Zunahme kollektiver Gewaltsamkeit und politischer Instabilität. Die Probleme der Kontrolle der Mobilisierung und der Institutionalisierung politischer Partizipation treten damit in den Mittelpunkt des Interesses.

Schlagworte: Alphabetisierung; Modernisierung; Urbanisierung; Soziale Mobilität; Nation; Politische Instabilität; Politische Partizipation