Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 1, Heft 1 (1972)

Einfache Sozialsysteme

Niklas Luhmann

Zusammenfassung: Systemtheoretische Analysen können auch auf einfache, situationsgebundene Interaktionen angewandt werden. Immer, wenn Anwesende einander wahrnehmen können, bilden sich Sozialsysteme besonderer Art, die sich durch angebbare Eigenarten der Selektion von Struktur und Verhalten unterscheiden von Gesellschaften und von organisierten Sozialsystemen. Die Grundannahmen der Systemtheorie - eine Komplexitätsdifferenz zwischen System und Umwelt und ein selektiver Aufbau systemspezifischer Ordnungen - gelten auch hier. Die Besonderheiten liegen im gleichzeitigen Ablauf von Wahrnehmungsprozessen und thematisch konzentrierter verbaler Kommunikation, in der Verwendung der Interaktionsgeschichte als Struktur, in einem wenig differenzierten Umweltverhältnis, in der Benutzung moralischer Ebenen der Steuerung und Störungsabwehr und in geringen Ansätzen zu Abstraktionsleistungen und zur Systemreflexion, die vor allem dann ausgebildet werden, wenn es zu wiederholten Zusammenkünften kommt.

Schlagworte: Systemtheorie; Soziale Systeme; Interaktion; Interaktionssystem; Kommunikation; Anwesenheit; Wahrnehmung