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ZfS, Jg. 1, Heft 1 (1972)

Zur Problematik der Ableitung in sozialwissenschaftlichen Aussagensystemen (Teil 1)

Hans J. Hummell

Zusammenfassung: Untersucht werden einige in den theoretisch-empirischen Sozialwissenschaften typische Formen von Argumenten im Hinblick auf die (meist implizit gelassen) Deduktionsregeln. Dabei werden vier Arten von Aussagen - (a) Deterministische Wenn-Dann-Aussagen; (b) Deterministische Je-Desto-Aussagen; (c) Probabilistische Wenn-Dann-Aussagen; (d) Probabilistische Je-Desto-Aussagen - sowie zwei Klassen von Deduktionsregeln (basierend auf den Eigenschaften der Transitivität und Konjunktivität) behandelt. Problematisch sind nur Aussagen der Art (b), (c) und (d). Es wird die These vertreten, daß die meisten der in den Sozialwissenschaften vorgelegten 'Argumente', welche mit solchen Aussagen relativ komplizierter Struktur arbeiten, zur Ableitung jedoch nur für deterministische Wenn-Dann-Aussagen gültige Regeln verwenden, nicht korrekt sind. Zur Lösung wird generell vorgeschlagen, an Stelle einer durch ein technisches Vokabular ergänzten Wortsprache, der ausschließlich die elementare Logik zugrundeliegt, Sprachen mit reicher logischer Struktur zu verwenden, d. h. zu formalisieren. In Teil 1 werden zwei Eigenschaften deterministischer Je-Desto-Aussagen aufgezeigt: 1. Im Falle komplexer Wirkungsstrukturen mit Pfaden mit unterschiedlichen Vorzeichen führen 'Deduktionen' in der Wortsprache entweder zu Inkonsistenzen oder keinen nichttrivialen Konklusionen. 2. Bei Aussagen über soziale Kollektive, die durch 'Aggregation' aus Aussagen über Individuen gewonnen werden sollen, folgt bei Verwendung der Je-Desto-Form ebenfalls nichts für Kollektive. - In Teil 2 sollen probabilistische Aussagen diskutiert werden.

Schlagworte: Wissenschaftstheorie; Aussagensystem; Sprache; Argumentation; Deduktion; Deduktionsregeln; Formalisierung; Validität