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ZfS, Jg. 1, Heft 1 (1972)

Industrialisierung, Modernisierung, gesellschaftliche Entwicklung

Gerhard Brandt

Zusammenfassung: Die gegenwärtige Situation auf dem Gebiet gesamtgesellschaftlicher Analysen ist geprägt durch rivalisierende Strömungen der Theoriebildung: modernisierungstheoretische Ansätze auf der einen, neo-marxistische Theorien der gesellschaftlichen Entwicklung auf der anderen Seite. Beide Strömungen erfassen wichtige Aspekte der Industrialisierungsproblematik, verfahren dabei aber selektiv und lassen nicht minder wichtige Aspekte außer acht. Ein gemeinsamer Mangel ist darin zu sehen, daß beide Ansätze sich als allgemeine Theorien der gesellschaftlichen Entwicklung verstehen und infolgedessen die historisch bedingten spezifischen Differenzen empirischer Entwicklungsprozesse vernachlässigen. Vorgeschlagen wird die Formulierung einer historischen Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung, die sich auf die kategoriale Unterscheidung von symbolisch vermittelter Interaktion und instrumentalem Handeln stützt. Eine solche Theorie würde es erlauben, empirische Entwicklungsprozesse auf die in ihnen angelegte doppelte Zielsetzung hin zu analysieren: die Lösung der ökonomischen Wachstumsproblematik auf der einen Seite und die Auflösung von institutionalisierten Zwängen auf der anderen.

Schlagworte: Entwicklungstheorie; Modernisierungstheorie; Sozioökonomische Entwicklung; Neo-Marxismus; Industrialisierung; Interaktion; Handlung