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ZfS, Jg. 38, Heft 3 (2009)

Mobilisierung und kriegsgesellschaftliches Dilemma. Beobachtungen zur kriegsgesellschaftlichen Moderne

Volker Kruse

Zusammenfassung: Die allgemeine Soziologische Theorie hat bislang die Moderne de facto als Zivilgesellschaft konzipiert. Angesichts der massiven zwischenstaatlichen Gewalt im 20. Jahrhundert erscheint es als Desiderat, Krieg angemessen in die soziologische Theorie der Moderne zu integrieren. Es wird hier vorgeschlagen, im Anschluss an Herbert Spencer ("militärischer", "industrieller Gesellschaftstypus") Kriegsgesellschaft als Vergesellschaftung sui generis von Zivilgesellschaft zu unterscheiden. Demgemäß sind moderne Zivilgesellschaften primär funktional differenziert mit autonomen, sich selbst steuernden Funktionssystemen. Moderne Kriegsgesellschaften sind primär hierarchisch nach Art einer militärischen Organisation differenziert und werden zentral gesteuert. Der Beitrag analysiert mittels der Kategorien "Mobilisierung" und "kriegsgesellschaftliches Dilemma" die Prozesse kriegsgesellschaftlicher Transformation im Ersten Weltkrieg und interpretiert die Sowjetunion wie das nationalsozialistische Deutschland als Erscheinungsformen moderner kriegsbedingter Vergesellschaftung. Er möchte zu einem theoretischen Verständnis von Kriegsgesellschaft allgemein und der Epoche der Weltkriege im Besonderen beitragen.

Schlagworte: Gesellschaftstheorie; Gesellschaftliche Differenzierung; Moderne; Vergesellschaftungsformen; Kriegsgesellschaft; Zivilgesellschaft; Weltkriege; Spencer; Mobilisierung