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ZfS, Jg. 38, Heft 2 (2009)

Kommt erst das Fressen und dann die Moral? Eine feldexperimentelle Überprüfung der Low-Cost-Hypothese und des Modells der Frame-Selektion

Henning Best

Zusammenfassung: In den Jahren 2006 und 2007 wurde in Köln die Sammlung von Wertstoffen schrittweise, Bezirk für Bezirk, von einem Bringsystem (Container an der Straße) auf ein Holsystem (Gelbe/Blaue Tonnen mit unentgeltlicher Hausabholung) umgestellt. Diese Umstellung wird als Basis eines Feldexperimentes herangezogen, mit dem Hypothesen zum Zusammenhang von Umweltbewusstsein und Umweltverhalten überprüft werden. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die "Low-Cost-Hypothese" und das "Modell der Frame-Selektion", die beide eine Interaktion von Umweltbewusstsein und Verhaltenskosten postulieren. Anhand von Paneldaten, die in mehreren Stadtbezirken vor und nach der Umstellung erhoben wurden (N=1882), wird der Effekt von Gelegenheitsstrukturen und Einstellungen auf das Umweltverhalten sowie die Beziehung zwischen Einstellungen und Verhaltenskosten untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einführung des Holsystems die Recyclingquoten substanziell steigert. Das Umweltbewusstsein hat einen mittelstarken, positiven Effekt auf die Teilnahmebereitschaft; der Effekt verringert sich jedoch bei Einführung des Holsystems. Umgekehrt lässt sich erkennen, dass Verhaltenskosten an Relevanz verlieren, wenn ausgeprägte Umwelteinstellungen vorliegen. Der Interaktionseffekt ist statistisch jedoch nicht signikant.

Schlagworte: Handlungstheorie; Umweltbewusstsein; Umweltverhalten; Low-Cost-Hypothese; Frame-Selektion; Verhaltenskosten; Einstellung