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ZfS, Jg. 37, Heft 5 (2008)

Starke und schwache Verfahren. Zur unterschiedlichen Funktionsweise politischer Untersuchungen am Beispiel der englischen "Hutton Inquiry" und des "CIA-Ausschusses" der EU

Thomas Scheffer, Matthias Michaeler, Jan Schank

Zusammenfassung: Die vorliegende Verfahrensanalyse kontrastiert zwei politische Untersuchungsausschüsse. Die Autoren fragen, ob und inwiefern die Untersuchungen als Verfahren, d.h. mit Luhmann als abgegrenzte und eigensinnige Handlungszusammenhänge, gelten können. Ausgehend von den Frage-Antwort-Interaktionen in der englischen "Hutton Inquiry" und dem "CIA-Ausschuss" der EU rekonstruieren die Autoren die jeweiligen Funktionsweisen im Hinblick auf die Arten und Weisen der kommunikativen Anknüpfung, der Wissensgenerierung und der Entscheidungsfindung. Beide Untersuchungen fungieren als eigensinnige, selbstbezügliche Verfahren. Gleichzeitig zeigt das Diskursmaterial unterschiedliche Grade der Selbstbezüglichkeit, Integration und Abgrenzung der Kommunikations-, Wissens- und Entscheidungsprozesse. Letztere bündeln sich zu durchgängig (relativ) starken und schwachen Verfahren. Die konstatierten Stärken und Schwächen werden durch Ausnahmen bzw. durch Wechselspiele der Teilnehmer noch bestätigt: und zwar dort, wo diese gezielt das jeweils andere Verfahrensregister aufrufen. Im Ausblick verweisen die Autoren auf weitere Implikationen ihrer Verfahrensanalyse: Zum einen im Hinblick auf die politische Bewertung der Untersuchungen und ihrer Wirkungsweise, zum anderen im Hinblick auf epistemische Voraussetzungen des jeweiligen Realtypus. Insgesamt forciert der Artikel ein soziologisches Verständnis von Verfahren sowie eine empirische Relativierung systemtheoretischer Annahmen.

Schlagworte: Verfahren; Verfahrensanalyse; Systemtheorie; Kommunikation; Untersuchungsausschuss; Hutton Inquiry; CIA-Ausschuss