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ZfS, Jg. 37, Heft 5 (2008)

Die drei Logiken der Selektion. Handlungstheorie als Theorie der Situationsdefinition

Ingo Schulz-Schaeffer

Zusammenfassung: Der Beitrag untersucht die Bedeutung unterschiedlicher Formen von Situationsdefinitionen für den Prozess der Handlungsselektion. Den Anknüpfungspunkt bildet das von Hartmut Esser entwickelte Modell der Frame-Selektion. Mit der Einführung des Modells der Frame-Selektion erfährt die Handlungstheorie im Makro-Mikro-Makro-Modell der soziologischen Erklärung eine neue, eine wissenssoziologische Ausrichtung: Handlungstheorie als Theorie der Situationsdefinition. Zu diesem theoretischen Unternehmen möchte der vorliegende Artikel einen Beitrag leisten. Der Beitrag argumentiert, dass die Kriterien der Selektion zwischen den handlungsorientierenden und handlungsleitenden Deutungsmustern von drei Formen der Verwendung von Situationsdefinitionen abhängen: der konstativen Verwendung von Situationsdefinitionen zur Deutung vorgegebener Situationen und zwei Formen der performativen Verwendung von Situationsdefinitionen: der Konstitution von Situationen auf der Grundlage handlungswirksam durchsetzbarer Situationsdefinitionen und der Konstitution von Situationen auf der Grundlage gemeinsam geteilter Situationsdefinitionen. Diese Auffassung steht im Gegensatz zu der aktuellen Fassung des Modells der Frame-Selektion, das die jeweilige Art und Weise der Selektion von Deutungsmustern auf die Differenz zwischen zwei Modi der Selektion zurückführt: automatisch-spontan oder bewusst reflektiert.

Schlagworte: Handlungstheorie; Frame-Selektion; Handlungsselektion; Situationsdefinition; Deutungsmuster