Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 37, Heft 4 (2008)

In nächster Nähe so fern? Grenzübergreifende Lokal- und Regionalberichterstattung als Aspekt von europäischer Integration

Jochen Roose

Zusammenfassung: In der Soziologie wird das Verschwinden der zwischenstaatlichen Grenzen insbesondere in der Europäischen Union diskutiert. Der Artikel untersucht diese These für das Phänomen grenzübergreifender Regionalberichterstattung. In welchem Ausmaß ist in Regionalzeitungen, die in der Nähe der deutschen Außengrenzen erscheinen, Regionalberichterstattung auch Auslandsberichterstattung? Verglichen wird die Häufigkeit, in der inländische und ausländische Städte in den Zeitungen Erwähnung finden, wobei die Einwohnerzahl der Städte und ihre geographische Entfernung zum Erscheinungsort der Zeitung kontrolliert werden. Es zeigt sich, dass Ereignisse jenseits der Staatsgrenze mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit in den Zeitungen vorkommen als Ereignisse im Inland. Zur Erklärung der Unterschiede zwischen den Nachbarländern werden drei Einflüsse getestet: 1. Intensität der wirtschaftlichen Verflechtung, 2. Dauer der EU-Mitgliedschaft, 3. Sprachkenntnis. Während die wirtschaftliche Verflechtung und die Dauer der EU-Mitgliedschaft keinen Einfluss haben, zeigt sich ein signifikanter Effekt der gegenseitigen Sprachkenntnis. Je größer die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine beliebige Person aus dem deutschen Grenzgebiet und eine beliebige Person aus dem benachbarten Grenzgebiet sich in einer der beiden Muttersprachen unterhalten können, desto intensiver ist die Berichterstattung aus dem Nachbarland.

Schlagworte: Europa; Europäische Union; Integration; Zeitungen; Lokalberichterstattung; Region; Staatsgrenzen; Nachbarländer