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ZfS, Jg. 37, Heft 3 (2008)

Drogendealer im Spannungsfeld zwischen islamischen Werten, Alltag in Deutschland und Kriminalität

Sandra Meike Bucerius

Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag berichtet über Ergebnisse einer ethnographischen Untersuchung, die in Frankfurt am Main unter 55 Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund durchgeführt wurde. Ziel ist es, die Selbstkonstruktionen der Untersuchungsgruppe, ihre Neutralisationstechniken und ihr Agieren in dem ständigen Spannungsfeld ihrer konservativ-islamischen Herkunft, ihrem Alltag in Deutschland und ihren kriminellen Aktivitäten im Drogenhandel zu beschreiben. Insbesondere wird dabei das von der Untersuchungsgruppe sehr differenziert gehandhabte Konzept der Reinheit und Verschmutzung analysiert. Dieses hat enormen Einfluss auf die Alltagshandlungen der Gruppenmitglieder und wirkt nachhaltig auf ihre Entscheidungen im Drogenhandel ein. Es wird deutlich, dass die Drogendealer nicht nur zweckrational und utilitaristisch motiviert sind, sondern ihr Handeln im illegalen Markt von spezifischen Werten beeinflusst und mitunter gebremst wird. Ihr spezifisches Reinheitskonzept unterscheidet die Akteure deutlich von anderen in der Literatur beschriebenen Drogendealern. Des Weiteren beschreibt der Artikel die von der Untersuchungsgruppe immer wieder vorgenommenen Modifikationen des Konzeptes, die nötig sind, um den Ansprüchen ihrer Lebenswelt in Deutschland und den Anforderungen des illegalen Markts gerecht zu werden.

Schlagworte: Kriminalsoziologie; Drogendealer; Drogenhandel; Drogenszene; Kriminalität; Wertorientierung; Ethnizität; Islam; Migranten; Etnographie