Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 37, Heft 3 (2008)

Die Entstehung "neuer Wohlfahrtsstaaten" und globale Policy-Diffusion - das Beispiel Südkorea

Won Sub Kim

Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob sich in der Übergangsgesellschaft Südkorea ein Wohlfahrtsstaat herausgebildet hat. Fallstudien über zwei zentrale Politikbereiche, die Alterssicherung und die Sozialhilfe, zeigen, dass die jüngsten südkoreanischen Sozialreformen gemessen an den drei Kriterien soziale Staatsziele, soziale Leistungsnormen und Leistungsuniversalismus tatsächlich zur Entstehung eines Wohlfahrtsstaates geführt haben. Die Studie demonstriert auch, dass die Policy-Diffusion des Wohlfahrtsinternationalismus dabei eine bedeutende Rolle gespielt hat. Allerdings unterscheiden sich die Erscheinungsformen der Diffusion nach verschiedenen Phasen der Beziehung von Staat und Gesellschaft. In der Phase des südkoreanischen "Entwicklungsstaates" wurden die wohlfahrtsstaatlichen Systeme zwar formell eingeführt, aber nur beschränkt institutionalisiert (decoupling), während die Diffusion in der Periode der Kim-Dae-Jung-Regierung zu konkreten Institutionalisierungen der entkoppelten Policy-Prinzipien führten (coupling). Diese erweiterte Diffusionsthese, die die Policy-Diffusion als Interaktion von globalen und nationalen Faktoren erfasst, kann die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates in einer Übergangsgesellschaft wie Südkorea besser erklären als herkömmliche Ansätze.

Schlagworte: Wohlfahrtsstaatforschung; Neue Wohlfahrtsstaaten; Südkorea; Policy-Diffusion; Global Social Policy; De-Coupling; Neo-Institutionalismus; Weltgesellschaft