Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 37, Heft 2 (2008)

Sozialstaatliche Umverteilung und ihre Akzeptanz im internationalen Vergleich: Eine Mehrebenenanalyse

Ursula Dallinger

Zusammenfassung: Der Artikel fragt, wie das international variierende Niveau der Akzeptanz von Ungleichheit und staatlicher Einkommensumverteilung in fortgeschrittenen Industriegesellschaften zu erklären ist. Er greift zunächst die in der vergleichenden Forschung zum Wohlfahrtsstaat vertretene Regimetheorie auf, für die der Einfluss von sozialpolitischer Kultur und der von ,cleavages'' zentral ist. Da beides weder empirisch bestätigt ist, noch andere Erklärungen für Länderunterschiede berücksichtigt wurden, bezieht der vorliegende Beitrag auch Ansätze der politischen Ökonomie ein. Diese betrachten die Umverteilungspräferenzen als geprägt von der jeweiligen Ungleichheit der Einkommensverteilung (median voter-Hypothese), vom wirtschaftlichen Wohlstand sowie den ,varieties of capitalism'. Erklärungen, die auf der Ebene individueller Merkmale ansetzen, werden theoretisch und empirisch mitgeführt. Da der Einfluss von Länder- und Individualmerkmalen geprüft wird, wird eine Mehrebenenanalyse mit Daten des ISSP 1999 verwendet. Den empirischen Ergebnissen zufolge ist eine Polarisierung der ökonomischen und der Regimeansätze unangemessen. Die Bewertung von Ungleichheit und Umverteilung ist teils durch sozialpolitische Ideen vermittelt, die objektive Ungleichheit überformen, teils ist die Akzeptanz von Umverteilung als Reaktion der Bürger auf länderspezifische Bedingungen zu interpretieren. Besonders wirtschaftlicher Wohlstand mindert die Umverteilungswünsche.

Schlagworte: Wohlfahrtsstaat; Soziale Ungleichheit; Einkommensumverteilung; Akzeptanz; Internationaler Vergleich; International Social Survey Programme