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ZfS, Jg. 36, Heft 3 (2007)

"Ganz normal": Die Repräsentation von Kinderkörpernormen in Somatogrammen. Eine praxisanalytische Exploration kinderärztlicher Vorsorgeinstrumente

Helga Kelle

Zusammenfassung: Der Artikel entstammt einem ethnografischen Forschungsprojekt, das an der Schnittstelle von Kindheits-, Körper- und Medizinsoziologie angesiedelt ist. Er geht der praxisanalytischen Frage nach, wie Modelle kindlicher Entwicklungsverläufe die Praxis von Kindervorsorgeuntersuchungen strukturieren und in diesem Zuge dazu beitragen, kindliche Entwicklungsprozesse wissensbasiert zu konfigurieren und zu konstituieren. Der Beitrag analysiert die Konstruktionslogik und den Gebrauch von kinderärztlichen Vorsorgeinstrumenten am Beispiel von sogenannten Somatogrammen - das sind grafische Darstellungen der körperlichen Größen- und Gewichtsentwicklung von Kindern - unter der theoretischen Perspektive der Normalisierung der Kindheit. In der Analyse der Kurven-Grafiken sowie von Beobachtungsprotokollen und Elterninterviews arbeitet der Beitrag unterschiedliche praktische Bestimmungen des Instruments heraus: Neben der Dokumentation und Evaluation des Entwicklungsverlaufs für die medizinische Diagnose werden die situierten Effekte im Zuge der Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen beschrieben, die diese als Feld der Normalisierung und als pädagogischen Kontext erkennen lassen. Die Somatogramme vermitteln, so die abschließende These, zwischen dem professionellen Wissen und dem Alltagswissen der Eltern und helfen auf diese Weise, die Unverständlichkeit anderer Untersuchungsschritte in situ sozial zu kompensieren.

Schlagworte: Medizinsoziologie; Kindheit; Normalisierung; Vorsorgeuntersuchungen; Somatogramme