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ZfS, Jg. 35, Heft 5 (2006)

Choreographie der Entblößung: Geschlechterdifferenz und Personalität in der klinischen Praxis

Birgit Heimerl

Zusammenfassung: Wie laufen in der Klinik Situationen ab, die durch genitale Entblößung prekär geworden sind, und wie werden sie von ihren Teilnehmern beschämungsvermeidend 'verhandelt'? Mit der Darstellung und Analyse ethnografischen Datenmaterials wird in diesem Aufsatz die situative Praxis intimer Pflegetätigkeiten zwischen männlichen Patienten und weiblichen Krankenpflegekräften nachgezeichnet. Es zeigt sich, dass dabei klinische Rahmen, organisationale Strukturen und formale Mitgliedschaften eine legitimierende Voraussetzung darstellen, jedoch müssen sie in Form symbolischer 'Selbst-Schutzräume' und 'geleisteter membership' immer erst situativ praktiziert werden. Darüber hinaus macht sich beim expliziten Umgang mit entblößten Genitalien das soziale Eigengewicht des Körpers bemerkbar: Ein accomplishment der Teilnehmer im Sinne eines 'undoing shame' ist gefordert, weil das Nichteinhalten von Bedeckungsvorschriften immer mit einer Sexuierung der Situation einher geht.

Schlagworte: Körpersoziologie; Geschlechterdifferenz; Geschlechtsinszenierung; Klinische Praxis; Krankenpflege; Scham