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ZfS, Jg. 35, Heft 5 (2006)

Homo - sociologicus - sapiens. Zur evolutionstheoretischen Einbettung soziologischer Menschenmodelle

Klaus Gilgenmann, Bertold Schweitzer

Zusammenfassung: In diesem Aufsatz geht es um die Angemessenheit der konkurrierenden Modelle vom Menschen in der soziologischen, sozioökonomischen und soziobiologischen Theorietradition für die Erklärung komplexer sozialer Phänomene. Es wird vorgeschlagen, das im mainstream der soziologischen Theorietradition bevorzugte Modell vom sozialisierten Menschen zu modifizieren durch Einbettung in ein evolutionstheoretisches Konzept, das die Einwände aus der ökonomischen Tradition mit Bezug auf individuelle Handlungsentscheidungen und die Einwände aus der biologischen Tradition mit Bezug auf genetische Einflüsse aufnimmt, ohne die eigenständige Bedeutung der Kultur für sozialwissenschaftliche Erklärungen zu eliminieren. In einer evolutionstheoretischen Skizze wird gezeigt, dass eine Anwendung der Darwinschen Theorie auf soziokulturelle Phänomene des Menschen möglich ist, in der genetische, situative und kulturelle Einflüsse als kausal unabhängige Faktoren zusammenwirken. Kultur wird darin als ein adaptiver Vorgang aufgefasst, in dem die genetisch ererbten Organismus-Umwelt-Beziehungen in emergenten Formen sozialer Systeme und kultureller Umwelten erweitert werden. Im Hinblick auf kausale Erklärungen durch evolutionäre Mechanismen wird der Anteil menschlicher Individuen für die dynamischen Aspekte soziokultureller Phänomene herausgestellt.

Schlagworte: Evolutionstheorie; Menschenmodelle; Kultur; Darwin; Soziokulturelle Evolution