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ZfS, Jg. 35, Heft 4 (2006)

Kritik der Gesellschaft? Anschlüsse bei Luhmann und Foucault

Gunther Gebhard, Stefan Meißner, Steffen Schröter

Zusammenfassung: Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie (Gesellschafts-)Kritik nach der Entdeckung der Kontingenz normativer Prämissen noch möglich ist. Die Ausgangsbeobachtung rekurriert auf Mannheim und dessen wissenssoziologische Einsicht, dass das jeweilige Denken (und mithin auch das eigene) abhängig ist von bestimmten historisch-sozialen Bedingungen. Damit werden die jeweiligen Geltungs- und letztendlichen Wahrheitsansprüche unterlaufen. Kritikkonzepte, die nicht hinter diese Einsicht zurückfallen wollen, müssen dem entsprechend die Kontingenz des eigenen Denkens einrechnen. Zwei Möglichkeiten einer solchen Kritik werden anhand der Konzeptualisierungen von Niklas Luhmann und Michel Foucault ausgeführt. Vor dem Hintergrund der jeweiligen Fassung von Aufklärung - an der beide als Konzept festhalten - wird gezeigt, dass Kritik bei Luhmann nicht mehr als Suche nach der anderen Gesellschaft, sondern - als Voraussetzung für eine 'abgeklärte Aufklärung' - als Aufmerksamkeitsverschiebung innerhalb der Gesellschaft gedacht ist. Bei Foucault dagegen wird Kritik - als Vollzug seines aufklärerischen Programms - als permanente experimentelle Alternierung von Denkmöglichkeiten konzipiert. Bei beiden zeigt sich als Konsequenz der Theorieanlage, welche die Einsicht in die Kontingenz des eigenen Denkens einrechnet, dass (kritische) Theorien nicht mehr über sich selbst entscheiden.

Schlagworte: Gesellschaftskritik; Kritik; Kontingenz; Aufklärung; Luhmann; Foucault