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ZfS, Jg. 35, Heft 2 (2006)

Die Emergenzfunktion und die konstitutive Funktion des Dritten. Perspektiven einer kritisch-systematischen Theorieentwicklung

Gesa Lindemann

Zusammenfassung: Theorieentwicklung hat in der Soziologie zumeist einen selbstbezüglichen Charakter, d.h., Theorien werden auf der Grundlage der Rezeption anderer Theorien formuliert. Hier wird dagegen problematisiert, ob nicht auch grundlegende sozialtheoretische Annahmen durch empirische Forschung in Frage gestellt werden können. Dieses Vorgehen wird als ein kritisch-systematisches Verfahren der Theorieentwicklung beschrieben und exemplarisch vorgeführt. In den gegenwärtig relevanten soziologischen Theorien werden dyadisch strukturierte Sozialitätskonzeptionen als Ausgangspunkt der Theoriebildung betrachtet. Kein Konsens besteht darüber, welche Funktion dem Dritten im Verhältnis zur Dyade zukommen soll. Um die Relevanz des Dritten empirisch zu untersuchen wird zunächst der "dyadische Konsens" in formaler Hinsicht expliziert und es werden die Fragemöglichkeiten bestimmt, die eine solche Sozialitätskonzeption empirisch erschließt. Im Weiteren werden empirische Forschungen vorgestellt, die im Ergebnis dazu führen: Nicht die Dyade, sondern die Triade muss als soziologische Grundkonstellation begriffen werden. Dieses Ergebnis wird mit den vorhandenen Konzeptionen des Dritten (Simmel, Berger/Luckmann, Habermas, Luhmann) verglichen. Es lassen sich zwei Funktionen des Dritten unterscheiden: Die in der Sozialtheorie bekannte Emergenzfunktion und die hier entwickelte konstitutive Funktion des Dritten.

Schlagworte: Sozialtheorie; Theorieentwicklung; Empirie; Konzeptionen des Dritten; Emergenz; Dyade; Triade