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ZfS, Jg. 35, Heft 1 (2006)

Bankkaufleute in der Reorganisation. Zur Lage der Erstausbildung im Bankgewerbe

Thomas Haipeter

Zusammenfassung: Der vorliegende Aufsatz untersucht die aktuellen Entwicklungstendenzen im Berufsbild des Bankkaufmanns/der Bankkauffrau. Dieses Berufsbild gehört traditionell zu den Berufsbildern mit hoher gesellschaftlicher Anerkennung, breiten Lerninhalten und guten beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Doch in den letzten Jahren haben sich die Perspektiven des Berufsbildes eingetrübt. Anders als in Teilen der sozialwissenschaftlichen Diskussion vermutet, liegt dies nicht an einer mangelnden Anpassungsfähigkeit des Berufsprinzips an innovative und wissensintensive Organisationsformen. Vielmehr führen Reorganisationsprozesse der Kreditinstitute aller Bankengruppen zu einem geringeren Bedarf an Qualifikationen im zentralen Einsatzbereich der Bankkaufleute, dem Vertrieb. Im Zuge der Finanzialisierung, Divisionalisierung und Segmentierung als Kernstrategien der Reorganisation wird die Erstausbildung unter einen neuartigen Kostendruck gesetzt. Zugleich öffnet sich eine Kluft zwischen Qualifikationsbedarf, Berufsbild und Ausbildungspraxis. Während die privaten Großbanken ihre Ausbildungspraxis auf Kosten des Berufsbildes an den sinkenden Qualifikationsbedarf anpassen, werden in den anderen Bankengruppen überschüssige Qualifikationsressourcen produziert, die Probleme für die Personalpolitik der Banken nach sich ziehen.

Schlagworte: Banken; Reorganisation; Personalpolitik; Bankkaufleute; Berufsausbildung