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ZfS, Jg. 33, Heft 4 (2004)

Die "Governance"-Depression in Japan. Überlegungen zur Strukturkrise in Japan

Philipp Hessinger

Zusammenfassung: Die japanische Ökonomie gilt als eine in Beziehungsnetze "eingebettete" Wirtschaft. Das ehemalige japanische "Erfolgsmodell" hat jedoch seit Anfang der 90er Jahre viel von seinem Glanz verloren, Anzeichen einer tiefgehenden "Governance Depression" sind unverkennbar. Typisch für das japanische Entwicklungsmodell ist eine spezifische Form der Gruppenbildung, die mit den gesellschaftlichen Legitimationsmustern von Herrschaft in enger Beziehung steht. Im vorliegenden Aufsatz wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um ein durchgehendes morphologisches Beziehungsmuster handelt, welches sich sowohl auf der gesellschaftlichen Mikro- als auch auf der Makroebene wiederfinden lässt. Der Aufsatz diskutiert die derzeitige Krise des japanischen Entwicklungsmodells vor dem Hintergrund seiner Erfolgsgeschichte. Die grundlegende gesellschaftstheoretische These ist: Es sind nicht die Beziehungsnetze als solche, die für die derzeitige Krise verantwortlich sind, sondern ihr Funktionswandel in einem veränderten sozialpolitischen und weltwirtschaftlichen Kontext. Nutzen und Nachteile der gesellschaftlichen Einbettung wirtschaftlichen Handelns lassen sich deswegen - nicht nur im Falle Japans - erst dann bestimmen, wenn man die wirtschaftliche Strukturentwicklung in einer dynamischen Perspektive untersucht.

Schlagworte: Japan; Wirtschaftssoziologie; Netzwerke; Einbettung; Gruppenbildung; Entwicklungsmodell; Strukturkrise