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ZfS, Jg. 33, Heft 4 (2004)

Entstehungsbedingungen von Antwortverzerrungen durch soziale Erwünschtheit. Ein Vergleich der Prognosen der Rational-Choice Theorie und des Modells der Frame-Selektion

Volker Stocké

Zusammenfassung: Die Rational-Choice Theorie und deren Generalisierung im Modell der Frame Selektion beanspruchen beide eine vollständige und die Interdependenz der Entstehungsfaktoren berücksichtigende Erklärung des sozial erwünschten Antwortverhaltens in Umfragen. Die hierbei vorhergesagten Erklärungsfaktoren wurden bisher nur unvollständig und oft mit widersprüchlichen Ergebnissen empirisch untersucht. Der vorliegende Beitrag überprüft daher theorievergleichend zentrale Vorhersagen der beiden Ansätze am Antwortverhalten über Einstellungen zu Ausländern. Die Ergebnisse bestätigen im ersten Schritt die Vorhersagen der "reinen" Rational-Choice Theorie, wonach mit sozial erwünschtem Antwortverhalten nur dann zu rechnen ist, wenn die motivationalen, kognitiven und sozialen Vorbedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Diese bereits sehr differenzierte Prognose erweist sich allerdings bei der Analyse der im Modell der Frame-Selektion zusätzlich angenommenen kulturellen Faktoren als unvollständig. Mit diesen Determinanten einer "kooperativen" Rahmung der Interviews lässt sich die vollständige Ausschaltung instrumentell rationaler Anreize durch soziale Erwünschtheit vorhersagen. Die Gültigkeit der Rational-Choice Theorie ist demnach auf wichtige, aber eben nur spezielle und im Rahmen des Modells der Frame-Selektion vorhersagbare Bedingungen beschränkt.

Schlagworte: Rational Choice; Frame Selektion; Umfragen; Antwortverhalten; Soziale Erwünschtheit