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ZfS, Jg. 33, Heft 4 (2004)

Die "schlichte Notwendigkeit" privater Altersvorsorge. Zur Wissenssoziologie der deutschen Rentenpolitik

Christian Marschallek

Zusammenfassung: In der Bundesrepublik hat sich die Überzeugung durchgesetzt, der demographische Wandel mache die Stärkung privater Elemente der Altersvorsorge notwendig. Die Rentenreform 2001 stellt einen Schritt in diese Richtung dar. Zunächst wird dargelegt, dass die demographisch induzierten Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) wahrscheinlich ebenso überschätzt werden wie das Problemlösungspotential privater Alterssicherung. Die Rentenreform 2001 kann daher nicht einfach auf Grund demographischer oder ökonomischer Zwänge verstanden werden. Entscheidend sind vielmehr politische Deutungen derartiger Sachverhalte und deren Wandel. Gestützt auf theoretische Ansätze einer Wissenssoziologie der Politik werden dann anhand ausgewählter rentenpolitischer Bundestagsdebatten der Jahre 1956 bis 2001 die Deutungen politischer Akteure hinsichtlich der Probleme der GRV, der Problemlösungen und der dabei vorgesehenen Rolle privater Elemente untersucht. Die "Notwendigkeit" einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge ist das Ergebnis eines langfristigen politischen Prozesses und ergibt sich erst an dessen Ende aus der Verknüpfung von spezifischen Deutungen der langfristigen demographischen Entwicklung, der Wirkung der Lohnnebenkosten auf die Arbeitslosigkeit und der Funktionsgrundlagen der GRV.

Schlagworte: Sozialpolitik; Wissenssoziologie; Rentenpolitik; Rentenreform; Gesetzliche Rentenversicherung; Private Altersvorsorge