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ZfS, Jg. 33, Heft 1 (2004)

Ärztliche Entscheidungsfindung im Krankenhaus

Werner Vogd

Zusammenfassung: Entscheidungen für oder gegen medizinische Eingriffe, die für den Patienten ein großes Risiko bergen bzw. die Gefahr massiver lebenspraktischer Konsequenzen mit sich bringen, können für das medizinisch-therapeutische Team insbesondere im Hinblick auf die Übernahme und Verteilung von Verantwortung eine erhebliche Belastung darstellen. Die vorliegende Arbeit untersucht den Modus operandi solcher Entscheidungsprozesse. Wie werden diese hergestellt und wer aus dem therapeutischen Team übernimmt dabei welche Aufgabe? Hierzu werden am Beispiel zweier verschiedener medizinischer Abteilungen (Chirurgie, Innere Medizin) die Dynamiken ausgewählter Fallbeispiele rekonstruiert. Die Auswertung erfolgt anlehnend an die dokumentarische Methode von Bohnsack in den drei Schritten "formulierende Interpretation", "reflektierende Interpretation" und "komparative Analyse", ergänzt durch einige Konzepte aus Goffmans Rahmenanalyse. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Entscheidungsfindungen in prekären medizinischen Problemlagen komplexe soziale Prozesse darstellen, die nur auf der Folie der Systemdynamik medizinischer Organisationen, insbesondere dem reziproken Abtasten von Erwartungen, der Verteilung und Verschiebung von Verantwortlichkeiten und dem Bedürfnis nach legitimatorischer Absicherung, verständlich werden.

Schlagworte: Medizinsoziologie; Krankenbehandlung; Entscheidungsprozesse; Fallproblematiken; Verantwortung; Ärzte; Medizinische Eingriffe