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ZfS, Jg. 32, Heft 5 (2003)

Geschlechterdifferenzierungen im Berufsfeld Familienrecht. Empirische Befunde und geschlechtertheoretische Reflexionen

Regine Gildemeister, Kai-Olaf Maiwald, Claudia Scheid, Elisabeth Seyfarth-Konau

Zusammenfassung: Die These, dass die soziale Kategorie Geschlecht ein grundlegendes Element sozialer Strukturierung sei, ist in der sozialwissenschaftlichen Geschlechterforschung weit verbreitet. In den letzten Jahren wurde sie unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der Segregationsforschung vor allem über die Figur der "Vergeschlechtlichung" ("gendering") von Arbeitsbereichen und Organisationen zu konkretisieren versucht. Gegen diese These wird eingewandt, dass die Kategorie Geschlecht in modernen Gesellschaften Funktionen eingebüßt habe und als Ordnungskategorie nur noch kontextuell von Bedeutung sei, dort, wo sie im sozialen Handeln relevant gemacht werde. Die damit aufgeworfenen Fragen werden im Aufsatz auf der Grundlage einer empirischen Untersuchung zum Berufsfeld Familienrecht näher beleuchtet. In den juristischen Berufsfeldern gilt das Familienrecht als deutlich segregierter ("feminisierter") Bereich. Der "gendering" These zufolge müssten sich damit binäre Geschlechterstereotype so in den Beruf hinein verschoben haben, dass es zu einer Kanalisierung von Berufskarrieren von Frauen (Juristinnen) und zu einer Abwertung des Berufssegments kommt. Die empirischen Befunde der Untersuchung weisen daraufhin, dass diese Sichtweise einer Relativierung und Differenzierung bedarf. Sie zeigen zugleich, dass damit die strukturgenerative Kraft der Kategorie Geschlecht nicht ausgesetzt ist.

Schlagworte: Geschlechterdifferenz; Geschlecht; Soziale Ordnungskategorie; Gendering; Juristische Berufsfelder; Familienrecht