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ZfS, Jg. 32, Heft 4 (2003)

Wohlfahrtspolitischer Verantwortungstransfer nach Europa?. Präferenzstrukturen und ihre Determinaten in der europäischen Bevölkerung

Steffen Mau

Zusammenfassung: Der Artikel behandelt die Frage, wie sich die Bevölkerungen der Mitgliedsländer der Europäischen Union zur Verlagerung wohlfahrtspolitischer Verantwortung hin zu europäischen Instanzen verhalten. Dabei werden zunächst zwei konkurrierende Befunde vorgestellt: Der erste geht davon aus, dass es mit einer Weiterentwicklung demokratischer Partizipationsformen innerhalb Europas auch zu einer verstärkten Nachfrage nach sozialpolitischer Verantwortung auf der europäischen Ebene kommen wird. Der zweite Befund behauptet, dass die Etablierung europäischer Sozialpolitik schwierig ist, weil es einen Mangel an unterstützenden Motiven und Haltungen gibt. Der Beitrag fragt empirisch, wodurch die politische Nachfrage nach einem sozialen Europa bestimmt ist. Dabei werden der Einfluss von Sozialstatus, Regimezugehörigkeit, Mitgliedschaftsbilanzen, Zukunftserwartungen und europäischer Identität auf die Befürwortung einer gemeinsamen europäischen Sozialpolitik getestet. Es zeigt sich, dass die Nachfrage nach europäischer sozialpolitischer Regulierung stark mit der unterschiedlichen wohlfahrtpolitischen Verfasstheit, den wahrgenommenen Vorteilen der EU-Mitgliedschaft, den Befürchtungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung sowie identitätspolitischen Aspekten variiert. Die Chancen einer umfassenden Europäisierung von Sozialpolitik werden aufgrund dieser Differenzierungslinien als eher problematisch eingeschätzt.

Schlagworte: Soziales Europa; Europäische Union; Sozialpolitische Verantwortung; Europäische Sozialpolitik; Politische Nachfrage