Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 32, Heft 2 (2003)

Warum fällt der Apfel nicht weit vom Stamm? Die Messung subjektiver intergenerationaler Mobilität

Gerd Nollmann

Zusammenfassung: Die Mobilitätsforschung zielt auf soziologische Erklärungen für ungleiche Positionszuweisungen, die soziale Mechanismen anstelle von Spekulationen über eine natürliche Ungleichheit der Menschen in den Vordergrund rücken. Die erreichten Ergebnisse haben jedoch, so hat John H. Goldthorpe in jüngerer Zeit hervorgehoben, noch zu wenig überzeugungskräftige Erklärungen erbracht. Der Aufsatz diskutiert handlungstheoretische Möglichkeiten, diesen Mangel zu beheben. Die Mobilitätsforschung hat hinlänglich verdeutlicht, dass die in Mobilitätssituationen handlungsleitenden Regelstrukturen in sozialer Hinsicht klassenspezifisch generalisiert sein müssen. Ferner hat die Lebenslaufforschung dargelegt, dass soziales Handeln in Mobilitätssituationen zeit- bzw. lebensphasenspezifisch generalisierten Regeln folgt. Bisher fehlt jedoch eine empirisch-quantitativ generalisierbare Antwort auf die Frage, welchen sachlichen Gehalt diese handlungsleitenden Regelstrukturen haben: Was nehmen die Handelnden in Mobilitätssituationen mit der bereits beobachteten sozialen und zeitlichen Regelmäßigkeit an? Der Aufsatz argumentiert, dass die in bisher nur wenigen Forschungen vorgenommene Messung von klassen- und zeitpunktabhängigen Kausal- und Kontrollvorstellungen Hinweise auf die Sachdimension dieser Regeln liefern könnte. Die Diskussion von Methoden und Forschungsbeispielen aus der Sozial- und Entwicklungspsychologie dient der Bildung von Hypothesen über die sinnhaften Mechanismen, die eine Verfestigung sozialer Über- und Unterordnung im Lebensverlauf bewirken.

Schlagworte: Soziale Mobilität; Soziale Ungleichheit; Intergenerationale Mobilität; Mobilitätssituationen; Regelstrukturen; Handlungstheorie;