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ZfS, Jg. 31, Heft 6 (2002)

Mythischer Diskurs/Symbolische Form. Zur Unvollständigkeit des "cultural turn" in der politischen Soziologie

Andreas Pettenkofer

Zusammenfassung: Im Rahmen eines allgemeinen 'cultural turn' wird auch in der politischen Soziologie nach Konzepten gesucht, die dem Eigengewicht von 'Kultur' stärker Rechnung tragen. Damit wird oft die methodologische Strategie verbunden, im Material 'autonome' Zeichenstrukturen zu isolieren; begrifflich erscheint dies u.a. als Grenzziehung zwischen Symbolsystemen und Praktiken, oder zwischen kulturellen Formen und deren Inhalten. Um den Erfolg dieser Strategie zu prüfen, werden Arbeiten neofunktionalistischer und sozialphänomenologischer Autoren (J. Alexander, H.-G. Soeffner) diskutiert, die trotz heterogener Rahmentheorien in dieser methodologischen Vorentscheidung übereinstimmen. Der aus dieser Begriffsstrategie resultierende Umgang mit dem Material verhindert gerade den 'cultural turn': Sie nötigt dazu, jenen Begriff eines zweckrationalen, an reiner Sachlichkeit orientierten Kerns politischen Handelns wieder einzuführen, den sie dem Anschein nach überflüssig machen sollte. Dadurch verstellt sie empirische Einsichten. Die Stabilität dieser Konzepte rührt auch daher, dass diese Forschung an einer kulturkritischen Orientierung festhält. Die Alternative wäre, statt einer kritischen Soziologie eine Soziologie der Kritik zu betreiben.

Schlagworte: Politische Soziologie; Cultural Turn; Kultur; Symbolsystem; Symbol; Politisches Handeln