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ZfS, Jg. 31, Heft 5 (2002)

Die Struktur der Personalverflechtung großer deutscher Aktiengesellschaften zwischen 1989 und 2001

Thomas Heinze

Zusammenfassung: Im Bereich der Corporate Governance-Forschung wird seit kurzem argumentiert, dass das interne Unternehmenskontroll-Modell Deutschlands in Auflösung begriffen ist und sich ein Markt für Unternehmenskontrolle (externes Kontroll-Modell) ausdifferenziert. Neben einer Vielzahl institutioneller Veränderungen stützt sich diese These vor allem auf die Beobachtung abnehmender Personalverflechtung großer Aktiengesellschaften. Die vorliegende Studie widerspricht dieser These empirisch, weil die strukturelle Analyse der Personalverflechtung im relevanten Zeitfenster (1989-2001) Stabilität auf der Meso- und Makroebene des Personalnetzwerks aufzeigt. Der nachweisbaren quantitativen Ausdünnung des Netzwerks wohnt keine strukturelle Verfallsautomatik inne. Ursache dafür ist die stabile Redundanz der Verflechtungen, welche Finanz-Unternehmen nach wie vor eine zentrale Stellung verschafft und zur Reproduktion der Cliquen- und Zentrum-Peripherie-Struktur führt. Zusammen mit empirischen Hinweisen, dass auch das parallel verlaufende Kapitalnetzwerk in Zukunft nicht substanziell erodieren wird, wird argumentiert, dass Unternehmenkontrolle in Deutschland bisher keine Ware ist, die auf einem Markt gehandelt wird. Netzwerk-Governance im deutschen Unternehmenskontroll-System ist vorerst kein Auslaufmodell.

Schlagworte: Corporate Governance; Wirtschaft; Netzwerke; Unternehmenskontrolle; Finanzunternehmen; Personalnetzwerk; Personal