Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 31, Heft 5 (2002)

Bedeutung, Handlung und Interpretation. Zu den Grundlagen der verstehenden Soziologie

Jens Greve

Zusammenfassung: Im Aufsatz wird die Frage untersucht, wie die Bedeutung von Sätzen und die mit ihnen vollzogenen Handlungen verbunden sind. Dabei konzentrieren sich die vorgetragenen Überlegungen auf die Konzeptionen von Jürgen Habermas und Donald Davidson. Trotz einer Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen beiden Autoren, besteht zwischen ihren Ansätzen ein deutlicher Kontrast hinsichtlich der Frage, wie Bedeutung und Handlung verbunden sind. Nach Habermas ist das kommunikative Handeln semantisch selbstidentifizierend, d.h. die Bedeutung des geäußerten Satzes legt zugleich fest, welche Absicht der Sprecher verfolgt und welche Handlung er vollzieht. Diese Konzeption geht zurück auf die These von Searle, dass Bedeutung und Handlung durch konstitutive Regeln verbunden seien. Im Artikel kritisiere ich die Analysen von Habermas und Searle. Zum Teil können die Einwände gegen diese Analysen aus Davidsons Kritik an konventionalistischen Ansätzen gewonnen werden. Nach Davidson bestehen zwischen Satzbedeutung, Handlungsvollzug und Sprecherabsichten keine notwendigen Beziehungen. Gleichwohl beruht für Davidson Kommunikation darauf, dass Interpreten diese drei Elemente berücksichtigen. Davidsons Ansatz widerspricht nicht nur regelbasierten, sondern auch post-strukturalistischen Ansätzen sowie Luhmanns Auffassung, da das Verstehen von Bedeutungen und Handlungen auf den Absichten von Sprechern basiert sowie auf der Fähigkeit von Interpreten, diese zu erkennen.

Schlagworte: Kommunikation; Sprache; Sprachphilosophie; Interpretationstheorie; Bedeutung; Handlung; Verstehen; Davidson; Habermas; Searle