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ZfS, Jg. 31, Heft 4 (2002)

Programmierte (Un-)Gleichheit? Geschlechtsspezifische Chancen bei der Bewilligung von Forschungsanträgen

Jutta Allmendinger, Thomas Hinz

Zusammenfassung: Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Drittmittelförderung. Für das Fach Soziologie wird die Antragstellung von Forschungsprojekten und deren Evaluation durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) untersucht. Datengrundlage sind dabei prozessproduzierte Angaben zu 761 Forschungsanträgen an die DFG im Zeitraum 1993-1999. Das Antragsverhalten unterscheidet sich nicht nach Geschlecht, die Bewilligungschancen sind bei Anträgen von Frauen schlechter als bei Männern. Diese Ungleichheit geht nur zu einem kleinen Teil auf individuelle, strukturelle und kontextuelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen zurück. Der Abstand in den Bewilligungschancen von Männern und Frauen wird zu einem größeren Teil durch die geschlechtsspezifische Konzentration auf Forschungsinhalte erklärt: Die Hälfte aller von Frauen gestellten Anträge kann der Frauen- und Geschlechterforschung zugeordnet werden. Die Einrichtung des DFG-Schwerpunktprogramms 'Professionalisierung, Organisation, Geschlecht' ist die untersuchte Thematik bedeutsam. In dem untersuchten Zeitraum führt der Schwerpunkt zu geringeren Bewilligungsquoten in der Frauen- und Geschlechterforschung. Dies ist eine programmierte, wenngleich unintendierte und sicherlich vermeidbare Nebenfolge. Gleichermaßen kommt es aber auch zu einer programmierten Gleichheit, insofern der Unterschied in den Bewilligungschancen zwischen Frauen und Männern durch den Schwerpunkt verringert wurde.

Schlagworte: Geschlechtersoziologie; Geschlecht; Forschungsprojekt; Drittmittelförderung; DFG; Forschungsantrag; Geschlechtsspezifische Bewilligungschancen