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ZfS, Jg. 31, Heft 1 (2002)

Ansprüche und Wirklichkeiten des Verwaltens im Reformdiskurs der neunziger Jahre. Die diskursive Ordnung von Reformkommunikation

Hendrik Vollmer

Zusammenfassung: Sozialwissenschaftliche Verwaltungsexperten haben den Reformdiskurs der neunziger Jahre häufig als Anzeichen der Bedrohung ihrer Expertenschaft durch eine Verbetriebswirtschaftlichung des Verwaltens empfunden. Anstatt der mit solchen Befürchtungen verbundenen Annahme einer Art Kontamination öffentlicher Verwaltungen durch die Ambitionen eines externen Reformdiskurses zu folgen, untersucht die vorliegende Studie diesen Diskurs daraufhin, inwieweit er systematische Regelmäßigkeiten von Reformkommunikation offenbart. Die fortlaufende Unterscheidung von Ansprüchen und Wirklichkeiten des Verwaltens wird dabei als zentrales Ordnungsmerkmal von Reformkommunikation identifiziert. Anhand publizierter Reformkommunikation - Kommunikation von Reformkritik inbegriffen - wird gezeigt, wie der Reformdiskurs diese Unterscheidung operationalisiert und sich dabei als diskursive Ordnung ausdifferenziert. Die daraus resultierende Selektivität des Reformdiskurses der neunziger Jahre hat Reformkommunikation von Verwaltungskommunikation entkoppelt und Chancen einer Soziologisierung des vornehmlich rechnungstechnischen Reformgeschehens in Verwaltungsorganisationen weitgehend verdeckt. Soziologische Kommunikation, so eine Schlußfolgerung, sollte ihrerseits stärker als bislang von Reformkommunikation entkoppelt werden.

Schlagworte: New Public Management; Verwaltungsreform; Organisation; Öffentliche Verwaltung; Reformkommunikation; Diskursanalyse; Accounting