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ZfS, Jg. 30, Heft 6 (2001)

Organisation und Gesellschaft. Zum ungeklärten Verhältnis von Organisations- und Funktionssystemen in Luhmanns Theorie sozialer Systeme

Georg Kneer

Zusammenfassung: Der Beitrag geht dem relationalen Verhältnis von Funktions- und Organisationssystemen in Luhmanns Theorie sozialer Systeme nach. Dabei werden zwei interne Widersprüche herausgearbeitet. Es wird gezeigt, dass weder die Auffassung einer eindeutigen Zuordnung organisierter Sozialsysteme zu gesellschaftlichen Teilsystemen noch die These einer grenzüberschreitenden Kommunikationsfähigkeit von Organisationen mit dem Autopoiesis-Konzept vereinbar sind. Um die Widersprüche aufzulösen, werden anschließend zwei theoretische Umdispositionen vorgenommen. Zunächst wird vorgeschlagen, Organisationen nicht als Teil von Funktionssystemen, sondern als Teil der Umwelt von Funktionssystemen zu begreifen. Anschließend wird die Auffassung einer Kommunikationsfähigkeit organisierter Sozialsysteme dahingehend reformuliert, dass Organisationen allein auf der Ebene der kommunikativen (Selbst-)Beschreibung, nicht jedoch auf der Ebene der operativen Selbstkonstitution, als Sprecher oder Adressaten von Kommunikation fungieren. Am Ende wird der Theorievorschlag am Beispiel des 'kooperativen Staates' illustriert.

Schlagworte: Theorie sozialer Systeme; Luhmann; Gesellschaft; Funktionssysteme; Organisation; Autopoiesis; Organisationale Kommunikation; Kooperativer Staat