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ZfS, Jg. 30, Heft 3 (2001)

Zumutung und Leitlinie. Der Fall Gruppenarbeit

Heiner Minssen

Zusammenfassung: Die Einführung von Gruppenarbeit ist Element einer sukzessiven Umstellung betrieblicher Steuerung von einer bürokratischen zu einer diskursiven Koordinierung. Diese Veränderung bedeutet eine erhebliche Zumutung, da sie nicht kompatibel ist mit organisationskulturell gestützten Deutungsmustern und den durch Hierarchie zugewiesenen Machtpositionen. Die Frage ist dann, weswegen sich Organisationen einer derartigen Zumutung überhaupt aussetzen. Unter Rückgriff auf das neo-institutionalistische Isomorphie-Konzept wird die These vertreten, dass Gruppenarbeit mittlerweile zu einem Symbol für Modernität geworden ist. Insofern ist die Einführung von Gruppenarbeit ein Modernitätsausweis, dem Organisationen zu folgen haben. Allerdings muss diese Leitlinie von Rationalisierung immer abgeglichen werden mit intern organisatorischen Strukturen, so dass Prozesse der Isomorphie sich eher auf Konzepte als auf Strukturen beziehen. Dies erklärt, weswegen Gruppenarbeit weniger verbreitet ist als oftmals vermutet; es gibt offensichtlich eine Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung von Organisationen auf der einen und der internen Praktik auf der anderen Seite.

Schlagworte: Organisationssoziologie; Organisation; Gruppenarbeit; Moden des Organisierens; Neo-Institutionalismus; Isomorphie; Öffentliche Selbstdarstellung; Interne Praktiken