Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 30, Heft 2 (2001)

Mediatisierte Verständigung

Tanjev Schulz

Zusammenfassung: Menschliche Kommunikation stützt sich zunehmend auf technische Medien. Interaktion unter Anwesenden ist längst nicht mehr die einzige oder klar dominierende Form interpersonaler Verständigung. In der Soziologie wird direkte Kommunikation jedoch vielfach als ein Leitmodell behandelt, von dem andere Kommunikationsmodi kategorial unterschieden werden. Der Aufsatz zeichnet diese Tradition nach und hinterfragt ihre heutige Bedeutung. In der Forschung hat sich lange Zeit eine "Restriktionshypothese" gehalten, derzufolge vermittelte gegenüber direkter Kommunikation stets ausdrucks- und leistungsschwächer sei. Ähnlich wird nun in neueren Beiträgen aus der Medientheorie behauptet, dass interaktionstheoretische Analysen für die technisch vermittelte (Computer-)Kommunikation keine Rolle spielen könnten und durch ein Konzept "virtueller Kontingenz" zu ersetzen seien. Der Aufsatz argumentiert hingegen, dass die Differenz zwischen direkter und vermittelter Kommunikation unnötig überbetont wird. Eine Eingrenzung des Interaktionsbegriffs auf Kommunikation unter Anwesenden erscheint wenig sinnvoll. Zu leicht geraten die Bedeutung spezifischer Kommunikationskontexte, die empirischen Restriktionen direkter und die reichhaltigen Möglichkeiten einer mediatisierten Verständigung aus dem Blick.

Schlagworte: Kommunikation; Medien; Medientheorie; Interaktion; Interaktion unter Anwesenden; Anwesenheit; Technische Vermittlung