Logo in der Kopfzeile
Kopfzeile

ZfS, Jg. 30, Heft 1 (2001)

Die schweigende Mehrheit - "Lurker" in internetbasierten Diskussionsforen

Christian Stegbauer, Alexander Rausch

Zusammenfassung: Obwohl passive Teilnehmer ("Lurker") in den meisten Onlineforen die Mehrheit stellen, ist ihreRolle weitgehend unerforscht. Dies liegt vor allem darin begründet, dass der empirische Zugang zum Phänomen des Lurking bislang sowohl durch das Fehlen einer operationalisierbaren Definition als auch durch das Fehlen geeigneter Daten verwehrt schien. Im vorliegenden Beitrag wird ein empirischer Weg zur Untersuchung des Lurking aufgezeigt und auf acht Mailinglisten angewandt, deren Geschichte über einen Zeitraum von 34 Monaten verfolgt wurde. Die angewandte Methode basiert auf dem Vergleich von Merkmalen individueller Teilnehmerkarrieren und setzt diese mit Eigenschaften des Kommunikationsraumes in Beziehung. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass der Anteil der Lurker in den von uns untersuchten Mailinglisten, abhängig vom Mailaufkommen, zwischen 56% und 81% beträgt. Dabei ist festzustellen, dass der Lurkeranteil umso niedriger ist, je höher das Mailaufkommen in der betreffenden Liste ist. Dieser empirische Befund widerspricht der Vorstellung, dass es sich bei Lurkern um Trittbrettfahrer handelt. Unsere Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass der Position der Lurker eine wichtige Funktion bei der Kopplung ansonsten unverbundener Kommunikationsräumen zukommt.

Schlagworte: Internetsoziologie; Internet; Internetkommunikation; Onlineforen; Lurking